MRA Varioscreen umformen??? Laminare Strömung erreichen

  • Beste Bastelfreunde,
    die Frage an euch:" Wer hat schon den unteren Teil der Vario Screen VN (57 cm) thermisch umgeformt, so dass die Hinterlüftung deutlicher an den oberen Teil der Verkleidung geleitet wird?."
    Meine ersten Fahrversuche mit der Vario-Scheibe sind leider nicht so still wie erhofft und die Turbulenzen könnten vllt. noch ein bischen mehr abgemildert werden.
    Wenn ein Spoiler an dem festen Teil der Scheibe den Luftstrom von unten hinter die obere Scheibe lenkt??? Wird es dann ruhiger, weil der Wirbel weiter nach oben gedrückt wird.?

    Wie immer im Forum freue ich mich als Neuling auch über die nicht ernst gemeinten Ratschläge,... , weil... am ruhigsten ist es ja aufm Sofa.

    Verwirbelte Grüße von VoSta

  • Ich bin hier seit 30 Jahren tätig und von so einen Experiment habe ich im Forum noch nie auch nur Annäherndes gelesen . Da bin ich mal gespannt, ob dazu tatsächlich Rückmeldungen kommen.

  • Was da überhaupt geschieht (jetziger Stand), bekommst du heraus, wenn du Wollfäden z.B. mit Klebestreifen an den oberen Rand der Scheiben und den Diffusor unter der Scheibe klebst und damit Fahrversuche unternimmst. Stopf diesen Diffusor auch mal gerne zu und beobachte, was passiert. Der hat die Funktion, den Unterdruck hinter der Scheibe zu reduzieren, genau wie diese aufgesetzte MRA-Scheibe eine Etage weiter oben. Honda, ausgestattet mit allem Zipp und Zapp (Windkanal, CFD) und einer Armada hochqualifizierter Leute hat irgendwann Öffnungen in die Scheibe eingefügt, was ebenfalls diesen Zweck erfüllen soll.


    Wo deine Wollfäden ruhig in der Luft stehen, hast du laminare Strömung, wo sie flattern sind Wirbel (= Lärm).


    Jetzt zur thermischen Umformung: Ich habe schon mal erfolgreich per thermischer Umformung (nämlich per Heißluftpistole) eine Beule aus meinem PE-Canadier heraus operiert, ihn also wieder in die ursprüngliche Form gebracht. Diese ursprüngliche Form hatte er einst auch per Thermoforming erhalten, aber mit deutlich höherem Aufwand.


    Was ich auch schon gemacht habe, sind etwa 100 Modellflug- / Drohnenpropeller am CAD zu modellieren, samt NC-Programmierung. Habe mich darüber auch schon mit Michael Selig ausgetauscht, der sie gut findet und in unbemannten Solarflugzeugen zur Wetter- und Straßenverkehrsbeobachtung verwendet. (Amerikanischer Professor, nach dem das Selig-Format benannt ist, ein in Modellbaukreisen vielverwendetes Format, um Air-Foils, Tragflächenprofile zu beschreiben.)


    Genug geprahlt! Ich wollte nur zum Ausdruck bringen, dass ich mich mit der Thematik hie und da schon mal befasst habe.


    Wenn man solche Airfoils am CAD untersucht, hinsichtlich Krümmungsverlauf, Stetigkeiten usw., stellt man fest, dass die alle von überragender mathematischer Qualität sind. Was das ist, verstehen die wenigsten Formenbauer. Für die ist der Sollwert (z.B. irgend eine Koordinate im Raum) die Idee und die Toleranz die erlaubte Abweichung dazu. Für den Konstrukteur solcher Class-A-Flächen sind ebenfalls die Sollkoordinaten die Idee, aber die Toleranz ist die Spielwiese, die man zur Verfügung hat, um daraus eine gute Fläche zu machen. Ob irgendwelche Reflexlinien auf der Fläche Boogie-Woogie tanzen oder ob sie ruhig zum Rand hin auslaufen, darüber entscheiden wenige Hundertstel Millimeter.


    Nun kann man argumentieren, dass du weder einen definierten Auftrieb noch einen reduzierten Luftwiderstand brauchst. ("Aerodynamik ist etwas für Leute, die keine Motoren bauen können." Enzo Ferrari :mrgreen:) Außerdem gibt es händische Methoden, stetige Flächen herzustellen, und jeder Kiesel im Fluss beweist, dass das sogar ohne jede Absicht durch natürliche Prozesse geschieht. Dennoch halte ich es für ausgeschlossen, dass du da an einer vorhandenen Scheibe mit Heimwerkermitteln zu irgend einem vorhersagbaren Ergebnis kommst - und falls doch, dass du hinterher die Anleitung geben könntest, nach der du jetzt gerade fragst.


    Ganz grundsätzlich: Um den Lärm zu reduzieren, musst du die Druckdifferenz zwischen Vorder- und Rückseite der Scheibe reduzieren. Das gelingt, indem du mehr Luft auf die Rückseite der Scheibe leitest. Ein Diffusor erfüllt dabei den Zweck, diesen rückseitigen Luftstrom zu verlangsamen. Je langsamer er ist, desto länger verweilt er und desto weniger musst du von vorne abzapfen. Die Richtung dieses Luftstroms ist durch den Diffusorwinkel bereits weitgehend vorgegeben. Wenn du da nun irgendwelche Abrisskanten anformst, ohne großflächig davor etwas zu verändern, operierst du nur an einer Grenzschicht des Diffusorstroms rum und handelst dir nur - so zumindest meine Erwartung - neue Wirbel ein. Und für die großflächige Änderung davor bräuchtest du halt ein anständiges CAD, samt anschließender Gewerke, um die so gefundene Form Realität werden zu lassen. Wobei "gefundene Form" ja eine gewaltige Übertreibung ist. Zunächst mal ist das nichts als die Gestaltannahme deiner Vorurteile. Ob diese Gestalt was taugt, zeigt sich erst im Fahrversuch (oder im Windkanal oder am CFD (computer-aided fluid dynamics)). Auch die Industrie, ausgestattet mit allem Zipp und Zapp, löst solche Aufgaben iterativ.


    Das einzige, was ich für eventuell erfolgversprechend halte, ist das Rumexperimentieren mit der Position und dem Anstellwinkel der oberen, aufgesetzten Scheibe. Und dann schön die Wollfäden beobachten.


    Gruß!

    Clemens

    Früher war mehr Lambretta! :roll:

  • Das mit dem Wollfaden ist keine schlechte Idee, da kann man gleich überprüfen ob die Kurve sauber oder schiebend genommen wird ;-)

  • Hi ho beste Ratgeber, ich war heute bei doch etwas zu kalten Gesamttemperaturen auf Testfahrt.
    Wollfäden sind an der oberen Scheibe und an der unteren Scheibe oben angeklebt gewesen und los gings. Bei 80 - 100km/h eher turbulent, ab 110 Km/h dann klar zu erkennen, wo die Wirbel einsetzen. Die unteren Fäden laufen hinter der Scheibe bis ca 3 cm unter die Abrißkante laminar nach oben um dann dort zu verwirbeln, Oben liegen die Fäden waggerecht fast genau im rechten Winkel zur Oberkante der Scheibe im Wind.

    Die Wollfäden haben meine Vermutung mehr oder weniger bestätigt. Ich habe dann mal die obere Scheibe ganz abgebaut, ist bei der MRA ja fix gemacht und ...
    Wenn ich mich 6 cm aus dem Sattel lifte wird es still, herrlich still, ein perfektes laminares Rauschen. Aber auch übel kalt am Oberkörper.
    Ich werde jetzt schauen, ob ich die Hinterströmung verstärken kann und in Richtung Oberkante lenken. Zunächst mit Klebebandmodellierung.
    Ich berichte.

    Grüße von VoSta

  • Das mit dem Wollfaden ist keine schlechte Idee, da kann man gleich überprüfen ob die Kurve sauber oder schiebend genommen wird ;-)

    Das ist sogar eine sehr gute Idee, aber leider nicht meine. Ich habe das mal an einem "rückwärts" konstruierten Sportflugzeug, genannt "Ente", gesehen (Höhenleitwerk vor den Tragflächen, Schubpropeller im Heck). Weil es vorne keinen Propeller gab, gab es auch keine von ihm verursachten Luftwirbel. Mittig auf der Frontscheibe war außen ein Wollfaden aufgeklebt, zu genau diesem Zweck, nämlich die Anströmung beim Kurvenflug zu visualisieren.


    Nachtrag: Hab' sie gefunden! Canard heißt diese "Rückwärts"-Bauweise.


    https://de.wikipedia.org/wiki/Gyroflug_SC01_Speed-Canard

    Früher war mehr Lambretta! :roll:

  • .......... Mittig auf der Frontscheibe war außen ein Wollfaden aufgeklebt, zu genau diesem Zweck, nämlich die Anströmung beim Kurvenflug zu visualisieren.....



    Ist bei den Segelflieger obligatorisch