autonomes fahren - Full Self Drive

  • FSD

    FSD ist kein russischer Geheimdienst, es bedeutet hier Full Self Driving – also ein völlig autonom fahrendes Auto. Tesla hatte im Dez 25 angefragt, ob ich Interesse hätte. Heute durfte ich mal mitfahren. Der Fahrer war ein Teslaner, ich saß auf dem Beifahrersitz. Sonst war Niemand im Auto.

    Es handelte sich um ein handelsübliches Model 3 beim Tesla-Center Gießen. Das Fz war für FSD frei geschaltet, mit einer Ausnahmegenehmigung. Von aussen nicht zu erkennen. Nach einer Einleitung wurde ich nach einem Fahrziel gefragt. Ich meinte, lass uns durch die Innenstadt fahren.


    So wurde das Mathematikum als Ziel einprogrammiert. Der Fahrer gab den Wagen frei und hielt beide Hände in die Nähe des Lenkrades. Die müssen auch immer da sein, sonst meckert der Tesla. Der Wagen blinkte und wir rollten aus der Parklücke über den Hof. Dort blinkte er brav und bog auf die öffentliche Strasse ein. Beschleunigte sanft, folgte der Strasse. Umrundete Geparkte, blinkte dabei brav, ordnete sich in der richtigen Spur ein, achtete auf die Ampelfarbe – machte tatsächlich alles richtig.


    Als vor uns ein Fz rechts abbog, bremste er nicht so grottig weit runter, wie es mein Aktueller macht, sondern hielt sein Tempo gut bei. Auffällig war, das wir kein Hindernis darstellten, wir schwammen gut im Verkehr mit.

    Am Mathematikum blinkte er rechts, fuhr rechts ran und schaltete sich ab. Wir planten die weitere Fahrt – zum Uniklinikum und wieder zurück zum Stützpunkt. Also los.

    An der nächsten Kreuzung wollte er rechts abbiegen – plötzlich sprang ein Fußgänger auf die Strasse. Tesla bremste sanft, der Fußgänger entschuldigte sich mit Handzeichen. Kurz darauf raste ein Golf aus einer Einfahrt zwischen geparkten Kleinlastern hervor, er hatte uns wohl nicht gesehen. Der Tesla legte eine Vollbremsung hin – ganz klasse.

    Auch ein Rollifahrer, der zwischen geparkten Autos raus zog, wurde souverän erkannt und sanft umrundet.

    Einmal versprang die Fahrbahn um eine halbe Fahrbahnbreite (Fina Parkhaus) da hat er sich schwer getan und die Fahrbahn verloren. Wir waren so 50m auf der strassenbegleitenden Radspur unterwegs. Der Tesla merkte seinen Fehler und mogelte sich ohne blinken zurück auf die Spur.

    Später waren wir noch auf der Autobahn – das war unspektakulär. Max geht nur 140 km/h. Der Fahrer erzählte von seinen Erfahrungen: Tatütata von hinten: Tesla blinkt und fährt rechts ran. Auch mit der Müllabfuhr käme er klar. Probleme hatte er wohl auf dem Supermarktparkplatz mit losen Einkaufswagen, die kannte er nicht und wusste nicht wie vorbei. Begeistert war der Fahrer, als er bei einer Demo Barrikaden errichtet wurden. Tesla stoppte davor, überlegte kurz, setzte zurück, suchte eine Möglichkeit zum wenden und fuhr einen anderen Weg.

    Am Ziel, dem Tesla Center fuhr das Auto brav an der Parkreihe vorbei und fragte, welche Parklücke den genehm sei. Wir wählten eine aus und der Wagen rangierte wunderbar rückwärts in die Lücke.

    Fazit:

    Eine tolle neue Technik, die begeistert. Der Tesla bremste unheimlich schnell bei dem Golf. Das ist schon ein echter Sicherheitsgewinn. Wobei, es ist noch nicht perfekt. Kostet ja auch mehr als ne müde Mark. Mich würde nerven, ständig die Hände in der Nähe des Lenkrades halten zu müssen – ich fahre Auto immer einhändig. Aber hey – das ist neue Technik, da müssen wir uns alle dran gewöhnen – thats live

    kein Text

  • Vielen Dank für deinen sehr angenehmen zu lesenden Bericht!

    Ich bin auch der Meinung, dass das die Zukunft ist, wenn...

    ... das dann auch bei Schlechtwetter, Sichtbehinderung, etc. funktioniert. Dann lass ich mich auch gerne nach 10h Arbeit abgekämpft nach Hause fahren.

    Aber so lange die Assistenzsysteme bei 100 auf der Landstraße den 30er auf der Nebenfahrbahn für eine Baustelle halten und unvermittelt bremsen... Nein danke!

    Sachlich: Die Rechtsprechung muss sich dann auch auf eine Sichtweise einigen, dass der Hersteller der Assistenz und nicht der/die/das Fahrer:in die Verantwortung trägt.


    Bis dahin nehme ich meinen 1985er Rover als Alltagsauto und freue mich, dass auf der Autobahn der Tempomat funktioniert.

    der lieber fährt als schraubt ...

  • Bei allem Wohlwollen: und ich wäre dafür, keine politischen Links einzustellen, was soll das ?:shock:

    mfG
    hermi


    hat fertig


    Nr. 3 ab dem 06.04.2017

  • Irgendwie steh ich im Moment auf dem Schlauch. Was fürn Link?

    Gerade denkst du noch, die Welt liegt dir zu Füßen, und plötzlich bist du zu alt, dich nach ihr zu bücken.

  • Ah jetzt ja. Auf dem Handy war der nicht sichtbar. Dankeee.

    Gerade denkst du noch, die Welt liegt dir zu Füßen, und plötzlich bist du zu alt, dich nach ihr zu bücken.

  • Da wir uns ja hier schon vor langer Zeit darauf geeinigt haben, keine politischen Themen zu behandeln oder uns politisch zu Diskussionen hinreißen zu lassen, wäre es doch schön wenn Waldschrat den Link selbst entfernt.

    Gerade denkst du noch, die Welt liegt dir zu Füßen, und plötzlich bist du zu alt, dich nach ihr zu bücken.

  • Aber hey – das ist neue Technik, da müssen wir uns alle dran gewöhnen – thats live

    Dafür muss ich dir jetzt glatt mal ein Kompliment machen! -klapp-


    Ich bin vermutlich ähnlich alt wie du, aber ich bin gegenüber neuer Technik wesentlich zugeknöpfter. Wenn mich ein modernes Auto beim Losfahren mit dem Spruch "Achten Sie auf den Straßenverkehr!" begrüßt, überkommt mich sofort das unbändige Verlangen, ein Radkreuz in den Touch-Screen zu schmettern! =motz= Ein Busfahrer, dem ich beim Einsteigen das selbe sagen würde, würde mich vermutlich sofort wieder rausschmeißen - und zwar völlig zu Recht. Ich bin grundsätzlich offen gegenüber Ansichten, die meinen eigenen zuwider laufen, aber ich habe erhebliche Probleme, Dingen eine Meinung zuzugestehen. Mittlerweile haben Dinge nicht nur eine Meinung, sie stellen sie sogar über meine eigene, sind ungehorsam und missachten meine Anweisungen. Der Spurhalteassistent im LKW zerschellt lieber im Gegenverkehr, als dass er mich mal auf der engen Landstraße auf die rechte Kante oder 'ne halbe Reifenbreite darüber hinaus fahren lassen würde. Der erkennt in irgendeinem Pixelmatsch zwei Linien, die er für relevant hält, und dass da irgendwas entgegen kommt, genau so dick und mit dem Rückspiegel auf der selben Höhe wie meiner, interessiert ihn nicht. Was würde ich mit einem Beifahrer machen, der mir ins Lenkrad greift? Genau! Rausschmeißen! Dabei wäre der immerhin ein intelligentes Wesen, das die Gesamtsituation erfasst.

    Die automatische Verkehrszeichenerkennung liegt öfter daneben, als dass sie mal was Richtiges anzeigt. Neulich hat sie Zeter und Mordio geschrieen, weil ich 80 statt 20 fuhr. Wo hat die die 20 her? =kratz= Ach ja, ich hatte gerade einen Bagger überholt. Wahrscheinlich hatte der ein Schild "20" am Heck. -gaga-


    Erfahrung mit autonomem Fahren habe ich nicht, aber die elektronischen Copidioten, die jetzt schon in jedem modernen Auto vorhanden sind, rauben mir bereits den letzten Nerv. So etwas möchte ich nie besitzen! Und überhaupt dieser Euphemismus "autonomes Fahren", was bezeichnet der eigentlich anderes, als die endgültige und vollständige Entmündigung des Fahrers?


    Der Tesla hat also, abgesehen von einem kleinen, verzeihlichen Fehler, alles richtig gemacht. Hat er auch irgendwas besser gemacht, als du es gemacht hättest? Und war es entspannter, den Tesla zu überwachen, ob er auch ja alles richtig macht, als die Dinge gleich selbst in die Hand zu nehmen?


    Der Tesla ist nie abgelenkt, nie mit den Gedanken wo anders und wird nie müde. Das sei unbestritten.

    Früher war mehr Lambretta! :roll:

  • Ein KI (wie sie zum Beispiel beim autonomen Fahren eingesetzt wird) kann nur dann zufriedenstellende Entscheidungen treffen, wenn sie für ALLE vorkommenden Rahmenbedingungen (hier: Situationen im Straßenverkehr) trainiert wurde. Beispiel: Die KI wurde trainiert auf Fußgänger und auf Radfahrer. Den Radfahrer, der sein Fahrrad schiebt, fährt sie über den Haufen (so geschehen). Ok - dann muss sie halt auch darauf trainiert werden. Aber: In der freien Wildbahn (also: in unserer Welt) wird es immer wieder Neues geben, worauf sie nicht trainiert wurde. Und dann macht sie Fehler. Und diese sind im Straßenverkehr oft tödlich oder mindestens schlimm.


    Für uns Menschen sind diese "neuen Dinge" kein Problem, denn wir verstehen, was ist. Ich wurde in meiner Fahrschule niemals mit einem querstehenden Tanklaster konfrontiert - trotzdem ist das kein Problem für mich, zu erkennen, dass ich bei einem querstehenden Laster stehenbleiben sollte. Die KI muss aber auf solch einen Fall trainiert werden, denn sie versteht nicht, was ein Tanklaster ist.


    Autonomes Fahren kann also mit zufriedenstellender Sicherheit nur in geschlossenen Systemen funktionieren - nicht in der "freien Welt", in der es immer wieder Neues gibt.


    Ich würde niemals im öffentlichen Straßenverkehr mit einem KI gesteuerten Auto fahren, das nicht ständig von einem Menschen überwacht wird. Und wenn es diese Überwachung braucht - wozu ist die KI dann gut?


    KI darf man nur einsetzen wenn:


    a.) entweder die Garantie besteht, dass alle möglichen Fälle trainiert wurden (was nur in geschlossenen Systemen realisierbar ist) oder:

    b.) ein Fehler keine gravierenden Folgen hat (z.B. bei der Qualitätsverbesserung von Videos)


    Seit 20 Jahren arbeiten Firmen mit dem Einsatz von enormen Geldmitteln am unabhängigen selbstfahrenden Auto (ohne Überwachung und "in freier Wildbahn") und bekommen es nicht hin. Und sie werden es auch weiterhin nicht hinbekommen weil es aus den obengenannten Gründen nicht funktionieren kann.

    Dass es trotzdem versucht wird, bedeutet, dass die "Entscheider" KI nicht verstehen. Was echt heftig ist, wenn man bedenkt, wieviel Geld dafür ausgegeben wurde. :shock:Wir werden es noch erleben, dass sich Firmen aus dem Versuch, diese Technik für das unabhängig selbstfahrende Auto zu entwickeln, verabschieden. Dafür gibt es bereits Anzeichen - googelt einfach mal.


    Versteht mich nicht falsch - unter Berücksichtigung der obigen Einschränkungen (a.) und b.)) ist KI für andere Aufgaben ne tolle Sache.


    Grüße, Michael

    3 Mal editiert, zuletzt von XS Michael ()

  • Michael,

    wo du Recht hast, hast du Recht.

    Das wird auch der Grund sein, dass die Autohersteller sich dagegen sträuben die Verantwortung zu übernehmen, sondern sie auf den Fahrer abschieben. Sonst wären sie sehr schnell pleite.

    Außerdem sehe ich das Problem in der Sensorik.

    Was wird gemacht, wenn die Kamera ein verdrecktes Objektiv hat? Ich nehme an, schreien und stehen bleiben, weil das System nicht mehr arbeiten kann.


    Nichts desto trotz werde ich den Fahrersitz nicht freiwillig räumen, dazu fahre ich zu gerne Auto.

    Gruß,
    Werner

    Einmal editiert, zuletzt von wernickel ()

  • Was die Kamera anbelangt, ist ja Tesla etwas gegen den Strich gebürstet, weil die sich ausschließlich auf Kameras verlassen. Andere Hersteller (m.W. alle anderen Hersteller) verwenden zusätzliche Sensorik, wie Radar und Lidar). Wenn du ein Tunnelportal auf die Betonmauer malst, knallt ein Tesla dagegen, ein Mercedes nicht. Entwickler sind auch nicht doof und kennen ihre Grenzen, Elon Musk jetzt mal ausgeklammert. Und KI ist nicht nur ChatGPT, das mit dem Brustton der Überzeugung irgendwelches zusammenhalluzinierte Blech daherredet. Weshalb bin ich noch nie in einen querstehenden LKW gerappelt? Vielleicht weil ich die Prämisse habe "fahr nirgendwo dagegen!" Solche Prämissen kann man auch einer KI eintrichtern. "Wo man nicht hingucken kann, kann man auch nicht hinfahren", hat der Fahrlehrer gesagt. Das kann man auch einer KI sagen, womit das Kameraproblem gelöst wäre. Vieles im Straßenverkehr regeln wir im Affekt. Wir machen also die Qualität einer Entscheidung abhängig von der Zeit, die wir dafür zur Verfügung haben. Hier in der Gegend ist eine junge Frau in den Gegenverkehr gerappelt, weil sie einem Fuchs ausweichen wollte. Baby an Bord, Rettungshubschrauber ... Die Zeit bis zur Kollision kennt auch die KI - und kann ihre Entscheidungsgeschwindigkeit davon abhängig machen.


    Ich sehe autonomes Fahren also nicht als unlösbare Aufgabe. Aber in meinem Fahrerjob halte ich jede Wette, dass der Disponent der erste von uns beiden sein wird, den eine KI ersetzt. Und auch das wird noch eine Weile dauern.

    Früher war mehr Lambretta! :roll: